Therapeutisches Figurenspiel


Jede Spieltherapie, die ich mit einem Kind oder auch Jugendlichen und seiner Familie beginne, ist immer wieder neu und passt sich individuell den Personen an, die beteiligt sind. Für mich ist es wichtig, Methoden sinnvoll und unter Berücksichtigung besonders folgender Aspekte in der Therapie anzuwenden:

-       Individueller Entwicklungsstand, sowohl der emotional-soziale, als auch der kognitive des Kindes oder des Jugendlichen

-       Sensomotorisches Profil des Kindes oder des Jugendlichen

-       Familiärer Kontext

-       Individuelle Vorlieben und Interessen des Kindes oder des Jugendlichen

 

Für die Ausgestaltung eines spieltherapeutischen Settings werde ich jedoch vor allem von folgenden Methoden beeinflusst:

 

1)    Therapeutisches Figurenspiel (TF):

 

„Die Puppen vermitteln uns die Erfahrung, dass die Dinge sprechen können. (…) Die Unverbrüchlichkeit der Puppe, ihre Zaubermacht, bietet den sicheren Grund, das Land der Phantasie und der Phantasmen zu betreten, ohne sich fürchten zu müssen. Mit der Puppe (…) können wir hinabtauchen (…) in die Tiefen der Lebenswelt, in ihre Geschichte, deren Unendlichkeit, und das ist ihre Wirklichkeit, die nur mit der Kraft der Phantasie und der Träume erfasst werden kann.“

Hilarion Petzold

 

TF ist eine Form von kreativer Spieltherapie und dient dazu, bedeutsame Entwicklungsthemen von Kindern und Jugendlichen durchzuspielen und deren eigene Geschichten im Spiel sichtbar und somit auch begreifbar zu machen. Dadurch können innerpsychische Blockaden, Ängste und Traumata in einem narrativen, symbolischen und strukturierten Kontext verarbeitet und Problemlösestrategien im sicheren Raum im Sinne eines Probehandelns unter behutsamer Begleitung des Therapeuten entwickelt werden. Mit den Bezugspersonen des Kindes wird dieser therapeutische Prozess entschlüsselt, sodass Anregungen für die Gestaltung des Miteinanders entstehen können.

 

Zusammengefasst ist das Therapeutische Figurenspiel:

-       Eine kreative Auseinandersetzung mit sich selbst

-       Symbolisches Spiel (Probehandeln) als Ausdruck innerpsychischer Themen und von Emotionen

-       Schöpfen eigener, innerer Figuren

-       Deutung des Gespielten anhand der Theorie der Archetypen nach C. G. Jung

-       Suchen und Finden von Problemlösestrategien für den Umgang mit Alltagssituationen

 

2)    Waldon-Approach/Functional Learning:

 

“Learning how to learn how to understand.”

(Lernen, um zu lernen, um zu verstehen.)

Geoffrey Waldon

 

Dr. Waldon, ein außerordentlich begabter Denker, Neurologe und Pädagoge aus Manchester, entwickelte eine völlig neue Theorie, um das kindliche Lernen zu erklären. Er gebrauchte die Formulierung Lernen-zu-Lernen Hilfsmittel um die mentalen und kognitiven Hilfsmittel zu beschreiben, die Kinder in den ersten drei Jahren ihres Lebens entwickeln, während sie ihre physikalische Umgebung durch komplexe Bewegungen und Erkundungen ihrer Sinne ausprobieren. Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, Lernschwierigkeiten haben, können durch die Waldon-Aktivitäten ihr Verständnis für sich selbst erhöhen und emotionale Resilienz v. a. durch Angstreduktion innerhalb eines gesicherten Rahmens entwickeln. Dr. Geoffrey Waldon entwickelte seine Ideen aufgrund jahrelanger Praxis und der Beobachtung v. a. einer Vielzahl von Kindern im freien Spiel. Dabei interessierten ihn besonders deren Fähigkeit, sich neue Lerninhalte anzueignen, sowie die Mechanismen, die zur Entwicklung für ein Verständnis von Vorgängen führen, bevor die Kinder gesellschaftlich geprägt werden. Im Zentrum von Waldons Therorie steht die Erkenntnis, dass jedes menschliche Verständnis sich direkt aus der Organisation von Bewegungsabläufen in Zeit und Raum speist, nämlich dass Bedeutungen aufgrund von Bewegungen entstehen.

 

Zusammengefasst ist der Waldon-Approach/das Functional-Learning:

-       Ein direktiver Therapieansatz, der Kinder dazu befähigt, zentrale, frühkindliche Entwicklungsschritte zu machen und ggf. nachzuholen

-       Ein „ganzheitlicher“ Therapieansatz, der in jeglichen Lebensbereichen (v. a. Alltagsgestaltung) zum Einsatz kommen kann

-       Ein therapeutischer Ansatz, um besonders Eltern von Kindern mit Entwicklungsschwierigkeiten Ideen zu vermitteln, wie sie ihr Kind im Alltag unterstützen und fördern können

 

3)    DIR(registered)/Floortime(Trademark)-Modell:

 

“Follow the child’s lead and make it relational!“

(Folge den Impulsen des Kindes und baue Beziehung auf!)

Nach Stanley Greenspan und Serena Wieder

 

Die DIRâ/Floortimeä-Methode ist ein beziehungsorientierter, autismusspezifischer Therapieansatz, der die normaltypische Entwicklung von Kindern in sechs zentrale Entwicklungsebenen einteilt und autistischen Kindern hilft, systematisch die Entwicklungsleiter hinaufzuklettern, indem er genau an den Themen Kommunikation, Interaktion und Regulation ansetzt. Er ist ressourcenorientiert und auf die individuellen Bedürfnisse von autistischen Kindern abgestimmt.

 

Zusammenfasst ist das DIR(registered)/Floortime(Trademark)-Modell:

-       Beziehungsorientiertes Spielen von Eltern und Kind

-       Eine Definition von Entwicklungsebenen, um zentrale Entwicklungsthemen aufzugreifen, zu entwickeln und zu bearbeiten

-       Eine Definition des sensomotorischen Profils von Kindern, um möglichst umfassend Ressourcen erkennen und nutzen, aber auch Barrieren erkennen und beseitigen zu können